Mitternachtsfußball: Elf Freunde sollen es werden

Die Glocke hat einen großen Artikel über unser Mitternachtsfußball-Angebot geschrieben, den wir euch nicht vorenthalten wollen. Wir freuen uns über das Interesse seitens der Presse an unseren Vereinsaktivitäten. Wie auch im Artikel geschrieben, wünschen wir uns mehr Zulauf und Interesse an für das Angebot und hoffen der Artikel kann dieses Interesse bei dir wecken. Und ja, auch heute findet unser 2-wöchiges Mitternachtsfußball noch regelmäßig statt.

Wenn du mehr Informationen zu den Terminen haben möchtest oder einfach mal vorbeischauen willst und unverbindlich mitmachen willst, melde dich gerne einfach.

07. Jnauar 2017 Mitternachtsfußball Zeitungsartikel Elf Freunde sollen es werden

Die Glocke, Samstag, 7. Januar 2017, Mitternachtsfußball

Elf Freunde sollen es werden

Auf dem Feld: Wie ein Rietberger über die Jahre zum Integrationshelfer wurde. Einer, der jetzt allerdings kaum noch gebraucht wird.

Bleibt am Ball: Mehmet Mayadali ist seit 2003 für die Hobby-Kicker der Dasshorsthalle verantwortlich. Der Jurist, der in Rheda geboren wurde, will über den Sport Vorurteile abbauen.

Ein Artikel von Florian Sädler

Rietberg. Kulturelle, soziale und gesellschaftliche Unterschiede eliminiert der Sport innerhalb von Minuten, sagt man. Knapp ein halbes Dutzend junger Männer bestätigt dieses Klischee auch an diesem Freitagabend im Dezember in der Rietberger Dasshorsthalle – schon seit über einer Stunde dribbeln, rennen und schießen sie zwischen den zwei Torkästen der Sporthalle am Rinnerforth hin und her. Einige sind verwandt, die meisten kennen sich flücktig, mancher ist zum ersten Mal hier. Alle zwei Wochen trifft man sich zum zwanglosen Bolzen mit Freunden und solchen, die es werden könnten.

Organisiert werden die Treffen von der Deutsch-Türkischen Kontaktgruppe Rietberg, einem im Jahr 1979 gegründeten Verein zur Integrationshilfe – verantwortlich ist Mehrmet Mayadali, Jurist, gebürtiger Rhedaraner. Der hier auch schon bessere Spieltage erlebt hat.

2003 hat sich das Fußball-Angebot etabliert, zeitweise standen Freitagsabends so viele Spieler vor der Halle, dass Mayadali Teams wählen und eine ganze Turnierordnung erstellen musste. Ärger gar es kaum – eine Schlägerei, ein versehentlich ausgelöster Feueralarm und ein paar im Flur abgestellte Fahrräder sind in all den Jahren in die Chaos-Bilanz eingegangen. Schon lange kommen nicht mehr genug Spieler, als dass diese Bilanz in Zukunft wohl noch allzu sehr wachsen würde; die etwas vergilbten Turnier-Vordrucke liegen trotzdem noch immer in Mayadalis Orga-Mappe: „Manchmal muss ich einen Termin absagen, weil nicht genug Leute zugesagt haben“, sagt er, ohne erkennbare Nostalgie in der Stimme. Die fetten Jahre seien vorbei, und seit einiger Zeit schon denke er daran, die Verantwortung an jemand anderen abzugeben. Aber an wen? Die Verbindlichkeit einer solchen Aufgabe, hat Mayadali das Gefühl, schreckt mittlerweile viele junge Leute ab.

Einer der wenigen, die das Spiel-Angebot intensiv nutzen, denen Mehmet Mayadali seine Position in Zukunft zutrauen würde und die ihn weiter bei der Stange halten, ist Samuel Welderufel.

Der 22-jährige Eritreer ist vor zwei Jahren über den Sudan und Libyen nach Europa geflohen und spricht mittlerweile fast so gut Deutsch, wie er Fußball spielen kann. „Auf jeden Fall hilft es mir, hierher zu kommen“, erzählt der drahtige Mittelfeldspieler, nachdem er zwei Stunden lang seine Gegenspieler ausgetanzt hat. „Hier kann ich Spaß haben und viele Menschen kennenlernen.“ Als er zum ersten Mal bei ihm mitspielte, habe Samuel „quasi nonstop gelacht, weil er hier einfach mal wieder eine tolle Zeit hatte“, erinnert sich Mehmet Mayadali.

Fußball spiele er schon seit seiner Kindheit, sagt Samuel, später sei er in seiner Heimatstadt Debarwa, wo er als Tischler gearbeitet habe, im Verein aktiv gewesen. Seine Leidenschaft hat er durch Wüsten und Meere in seine neue Heimat mitgenommen, nachdem es in Eritrea für ihn nach eigenen Angaben aus politischen Gründen nicht mehr sicher war.

Mittlerweile kommen öfter mal Menschen wie Samuel in die Dasshorsthalle. „Früher hatten wir viele Gastarbeiterkinder und auch einige Deutsche, die regelmäßig hier waren“, erzählt Mehmet Mayadali. Gerade denen, die schwer in die Gesellschaft hineinfinden, sollte das Projekt eine Stütze im Alltag bieten.

Die Spieler der ersten Stunde sind heute allesamt weg, mit Arbeit und Familie ausgelastet. Eigentlich ja ein Erfolg auch für ihn, denkt Mayadali manchmal, wenn auch sein Projekt davon heute nichts mehr hat – vielleicht hat der ursprüngliche Zweck einfach ausgedient?

Trotz sporadischer Teilnahme lächelt und lacht er meist an diesem Freitagabend, der mittlerweile zum Samstagmorgen geworden ist. Für ihn ist die Motivation über die Jahre die gleiche geblieben: „Ich will die Kids von der Straße holen und über den Fußball Vorurteile abbauen.“

Er wird so oder so weitermachen an jedem zweiten Freitag. Bis er einen Nachfolger gefunden hat oder irgendwann doch einmal regelmäßig zu wenige kommen, um ein paar Stunden lang beim Bolzen die Welt um sie herum zu vergessen. Wenn die Leute stattdessen mit Arbeit oder Familie beschäftigt sind, dann hätte Mehmet Mayadali sein Ziel erreicht.

Samuel Welderufel zumindest scheint auf dem besten Weg zu sein, dieses Ziel für sich selbst erreichbar zu machen. Und Mehmet Mayadalis Projekt damit vielleicht einmal, mehr den eigenen Erfolg zum Verhängnis zu machen.

Bilder:
Auf der Jagd: Samuel Welderufel (r.) auf dem Weg zum Tor.
Im Tor: Die Hobby-Kicker mit einem Plakat der Deutsch-Türkischen Kontaktgruppe Rietberg.
Mit Spaß bei der Sache: Samuel Welderufel hat beim Fußball Anschluss gefunden.

Du hast Interesse am Mitternachtsfußball?

Wir würden uns freuen, wenn du bei Lust bekommen hast bei unserem Mitternachtsfußball mitzumachen. Ich hätte großen Spaß daran nochmal ein kleines Fußball-Turnier zu veranstalten. Keine Angst, du musst auch nicht gut Fußball spielen können, es geht eher ums zwanglose Spaß haben und den Rest der Welt vergessen können.
Melde dich einfach bei mir, gerne auch über unsere E-Mail-Adresse info@dtkg-rietberg.de.

Eine Portrait-Aufnahme von Mehmet Mayadali.

Mehmet Mayadali

Vorsitzender

Tel.: 05244 – 9089035

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