1989: Presseartikel zur Eröffnung des Jugendhauses

Deittert guten Mutes: „Ich glaube, es lohnt sich, daran zu arbeiten“

Auftakt mit vier Gruppen in der Rietberger Südtorschule – Kreisjugendamtsleiter Hemsel beeindruckt: „Das Bedürfnis ist vorhanden …“

Rietberg. „Wir gehen ein kleines Wagnis ein. Wir setzen Vertrauen in die Benutzer, dass ihr Zusammenleben funktioniert“, stellte am Samstagmorgen Rietbergs Bürgermeister Hubert Deitert anlässlich der offiziellen Präsentation der alten Südtorschule als provisorische Unterkunft für vier Organisationen fest. Deittert stand im Obergeschoss in einem frisch renovierten ehemaligen Klassenzimmer, die gelbe Stirnwand und einen alten Fernsehapparat im Rücken. Vor ihm Gäste zur Eröffnung, darunter der Kreisjugendpfleger Gisbert Braukmann – er war zuletzt in der Südtorschule im Einsatz, Vertreter des Rates, der Verwaltung und der neuen Schulhaus-„Mieter“: die Deutsch-türkische Kontaktgruppe, die Jugendzentrumsinitiative (JZI), der Verein „Die Initiative“ sowie die Jugendkulturinitiative e. V., JoJo genannt.
 
Deittert bezeichnete das Haus dessen Erhaltung er betonte, als ein „Gebäude, das von möglichst vielen Bevölkerungskreisen genutzt werden sollte“. Er wies darauf hin, dass Planungskonzepte für die provisorische Einrichtung zurzeit untersucht würden und die Stadt bisher Finanzmittel zur Einrichtung in Höhe von 24.300 Mark gegeben habe. Auch der Kreis Gütersloh habe rund 9.000 Mark Zuschuss gezahlt.
 
Mit einem Blick auf Vertreter heimischer Kreditinstitute dankte das Stadtoberhaupt für weitere finanzielle Hilfen. Auch Rietberger Firmen hatten Renovierungsarbeiten unterstützt. So montierte der Vater eines jungen Initiative Akteurs – um hier ein Beispiel zu nennen – die aufwendige Stereo- und Lichtorgelanlage der Südtorschule-Diskothek im Farbenspiel zuckender Lampenblitze (wir berichten noch).
 
Die Mehrfachnutzung des Gebäudes unterstrich Deittert ebenso wie seinen Standpunkt, dass die jetzt hinzugekommene Tätigkeit von vier Organisationen eine Ergänzung – einem „Mehr an Angebot und nichts anderes“ sei, wobei der sich wünschte, dass es in der „Stätte der Begegnung zu Kooperation in der Jugendarbeit kommen werde. Ich bin guten Mutes, denn ich glaube, es lohnt sich, daran zu arbeiten“, resümierte der Bürgermeister abschließend.
 

Diese offizielle Feier als Auftakt zu einem bunten Wochenende auf dem Schulhofgelände wurde von einer Sketch-Gruppe ein bisschen aufgeheitert. Frohe Gesichter zeigten die „Mieter“, als ihnen wenige Geschenke überreicht wurden. Der Bürgermeister stiftete einen Scheck für den Erwerb von Schallplatten. Der katholische Pfarrer Alfons Wagner entrollte ein Poster-Portrait des heiligen Franz von Assissi. Während sich die Vertreter von CDU und FWG um Präsente drückten, marschierte der Sozialdemokrat Gerd Muhle, Fraktionssprecher, mit einer selbstgezogenen Grünlinie auf. Muhle: „Sie ist sehr anspruchslos, man kann sie lange vernachlässigen.“
 
Das für die personelle Betreuung zuständige Kreisjugendamt, so ließ ihr Leiter Hemsel durchblicken, habe „den Wunsch, dass die Einrichtung angenommen wird und den Eindruck, dass ein Bedürfnis vorhanden ist“. Im Übrigen kündigte Hemsel den langsamen Rückzug in punkto Jugendpfleger an: „Wir müssen den ganzen Kreis berücksichtigen“.
 
 
Auf eine Runde Tischfußball – Gegner: JoJo-Aktiver Ralf Eisermann (links) – ließ sich Bürgermeister Hubert Deittert in der Südtorschule ein. Bild Daub
 
Die Gruppe „Value“ war eine der Gruppen, die beim Konzert zur Einweihnung des Jugendhauses auftrat. Darüber wird noch berichtet. Bild: Libon
 
Wieviel Müh‘ und Schweiß in der Südtorschulrenovierung geopfert wurde, zeigten Jugendliche bei der Eröffnung im Sketch. Bild Daub

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