Türken, Spanier, Italiener, Jugoslawen und Inder beim internationalen Fest
Rietberger Stadtanzeiger,
12. Oktober 1989
Rietberg. Das hat es in Rietberg noch nicht gegeben: „Rietberg international“, ein Straßenfest mit Attraktionen und Spezialitäten aus vielen verschiedenen Ländern. Die Deutsch-Türkische Kontaktgruppe, im Organisieren deutsch-türkischer Feste erfahren, veranstaltete zum Jahr des Stadtjubiläums ein großes internationales Fest rund ums Rathaus.
Um es vorwegzunehmen: Die idyllischen Winkel zwischen Kirche und Rathaus eigneten sich noch besser als der alte Südtorschulhof. Der Samstagnachmittag an der Rügenstraße, von Bürgermeister Hubert Deittert eröffnet, zeigte eine hervorragende Zusammenarbeit der unterschiedlichen Nationen, fand in der deutschen Bevölkerung aber zunächst noch zurückhaltenden Zuspruch. Jugoslawen und Spanier, Italiener und Inder leben nur ganz vereinzelt in Rietberg, deshalb war die Kontaktgruppe auf Zusammenarbeit mit Vereinen aus Gütersloh und Rheda-Wiedenbrück angewiesen. Diese Ausländer, seit Jahren an große städtische internationale Feste gewöhnt, hatten sich zunächst nicht mit der Idee der Stadt Rietberg anfreunden können, die Organisation der Kontaktgruppe zu überlassen, ohne von vornherein einen Etat zur Verfügung zu stellen. Dennoch schaffte sie es, in monatelangen Vorbereitungen ein mehrstündiges Programm auf die Beine zu stellen, dem nur durch die Finanzen Grenzen gesetzt waren.
Natürlich wurde die deutsche Kaffee- und Kuchentafel gegen Abend ergänzt durch inzwischen schon „eingedeutschte“ Spezialitäten wir Pizza, Döner, südländischen Wein, Sliwowitz und türkischen Tee. Sogar frisches Obst und Gemüse gab es, so dass sich gegen Abend ein Treiben einstellte wie auf einem orientalischen Basar. Bis aufs Wetter: Der lange Sommer schien just an dem Tag zu Ende gegangen zu sein, es war kühl und nieselte. Dessen ungeachtet feierte man zu den Klängen der spanischen Gruppe bis zum frühen Morgen.
Auf der überdachten Bühne traten farbenfrohe Folkloregruppen auf, nach den einheimischen Mädchen der Kontaktgruppe junge Frauen aus Griechenland und Spanien. Sogar eine Inderin war zu bewundern. Hauptattraktion war die Bauchtänzerin Saadet. Sie faszinierte mit artistischen Tänzen wie dem Schwerter- und Schleiertanz.
Der Ausländerausschuss hatte im heimischen Gewerbe tolle Preise für die Tombola locker gemacht. Der Hauptgewinn, ein prächtiger Hammel, ging gerade an die Richtigen: Familie Doymaz hatte den Spezialitätenstand des türkischen Arbeiternehmervereins betreut. Weitere Sachpreise umfassten Kleinmöbel, Glaswaren und Bücher. Die Ratsherren Werner Bohnenkamp, Dr. Raschke und Norbert Hüging taten einträchtig nebeneinander Dienst und brachten an den Mann und die Frau.
„Wir feiern zusammen und lösen unsere Probleme zusammen“ – Drei Infostände wissen auf die Probleme der Ausländer in der Bundespublik hin. Der AKSOM, Arbeitskreis Soziale Minderheiten Gütersloh, dokumentierte sein Modell Hausaufgabenhilfe und Kinderbetreuung nicht freien Trägern zu überlassen, sondern selbst in die Hand zu nehmen. Der Verein hat in Gütersloh inzwischen zwei Kindergärten mit insgesamt zehn Angestellten und ist gerade in die Stadtteilarbeit in Blankenhagen eingestiegen.
Die Caritas berichtete von ihren Vorhaben in der Hausaufgabenhilfe, die im Moment nur unter unzureichenden Bedingungen arbeiten kann, bis die Südtorschule fertig ist.
Gleiches gilt für die Deutsch-Türkische Kontaktgruppe, die mit einer umfangreichen Ausstellung auf 10 Jahre Tätigkeit in Rietberg zurückblickte, im Moment aber in ihrer Arbeit auch pausiert, bis die neuen Räume bezogen werden können. Die Eröffnung des renovierten Jugendhauses dürfte der nächste Anlass sein, zu dem die Kontaktgruppe wieder internationales Flair beisteuern wird.