„Meisterkoch“ Yayar servierte Festessen
Kontaktgruppe erstmals im neuen evangelischen Gemeindehaus in Rietberg
Die Glocke,
Mittwoch, 24. Oktober 1984
Rietberg. Zu ihrem nun schon traditionellen Abendessen traf sich jetzt die deutsch-türkische Kontaktgruppe in neuen Räumen: Vorsitzende Heidi Schrön freute sich, im neu errichteten evangelischen Gemeindehaus fast alle Mitglieder begrüßen zu können, unter ihnen auch den ersten Beigeordneten der Stadt Rietberg, Herbert Pietzonka, der im ablaufenden Veranstaltungsjahr mit selbstgedrehtem Film uns Lichtbildern aus Istanbul das Vereinsprogramm bereichert hatte.
Die Räumlichkeiten erwiesen sich als hervorragend geeignet für das umfangreiche 50-Personen-Essen. So konnte Pfarrer Münchin als „Hausherr“ nicht nur den Dank für das Überlassen der Räume, sondern gleichzeitig Komplimente für die gelungene Gestaltung des Hauses entgegennehmen. Auch Vikar Fleischer nutzte das Essen, um neue Kontakte zu knüpfen und alte zu vertiefen.
Sechs Stunden lang hatte Ali Yayar, gelernter Koch, gewirkt, bis das Menü „stand“. Es gab zunächst „Mercimek corba“, eine feine Linsencremesuppe, für die rote Linsen mit diversen Gewürzen gekocht, durch ein Sieb püriert und schließlich mit Zitrone gebunden werden. Der Hauptgang war selbst für türkische Mitglieder eine Überraschung: „Tepside köfte“, ein Festessen aus Yayars Heimat, der Südtürkei, entpuppte sich als eine auf Küchenbleche gebackene Pastete aus Weizengrießteig mit Rinder-Lammfleischfüllung. Dafür waren pfundweise Walnüsse und Kräuter gehackt und etliche Lagen Teig und Gehacktes ausgerollt worden. Dazu gab es den farbenfrohen, frischen Salat, den die Türken in der deutschen Küche meist am ehesten Vermissen.
Bis die saftigen Honigmelonen auf den Tisch kamen, waren schon mehrere Stunden angeregter Gespräche vergangen. Ein zentrales Thema war die Rückkehr der türkischen Familien aus Rietberg in die Heimat, die auch schon mehrere Familien der deutsch-türkischen Kontaktgruppe getroffen hat. Offenbar haben besonders die Kinder große Schwierigkeiten sich auf die Verhältnisse in der Türkei umzustellen.
Diese Probleme der „Remigranten“ werden auch eines der Themen sein, die die Kontaktgruppe für diesen Winter in einer Vortragsreihe ansprechen wird. Den Anfang macht am Dienstag, 27. Oktober, ein Infoabend über das Ausländerrecht.
„Meisterkoch“ Ali Yayar lässt sich übrigens im Februar noch einmal bei einem Kochkursus im Gemeindehaus in den Topf schauen, nachdem ein erster Kursus ein besonderer Erfolg gewesen war.