1980: Schreiben von Kloock an die evangl. Kirche

Erhalt der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule Rietberg

Bezug: Ihr Schreiben an den Kultusminister des Landes NW vom 20.06.1980

Sehr geehrter Herr Dr. Münch!

Für die Übersendung einer Ausfertigung Ihres Schreibens an den Kultusminister des Landes Nordrhein-Westfalen vom 20.06..1980 bedanke ich mich. Ich habe sie mit Interesse gelesen.

Seit längerem habe ich den Schwund der deutschen Kinder an der Städtischen Gemeinschaftsgrundschule in Rietberg mit Sorge beobachtet. Es ist stets ein städtisches Anliegen gewesen, die beiden Grundschulen im Ortsteil Rietberg gleichberechtigt und chancengleich nebeneinander bestehen zu lassen. Da die derzeitigen schulgesetzlichen Regelungen die türkischen Kinder fast ausnahmslos der Gemeinschaftsgrundschule zuordnen, bedarf es m.f. anderer Überlegungen und Regelungen, um hier zu einem ausgewogenen Verhältnis zu gelangen.

Hierbei dürfte auch die sicherlich nicht leicht zu entscheidende Überlegung eine Rolle spielen, ob es wirklich sinnvoll ist, den Versuch zur Integration der Türken in die deutsche Gesellschaft mit Nachdruck zu betreiben.

Ich muss ehrlich zugeben, dass ich mir zu dieser Frage eine gesicherte Meinung noch nicht gebildet habe.

Verwaltungsseitig habe ich bisher folgende alternative Überlegungen angestellt:

  • Zur Zeit werden auch türkische Kinder aus Mastholte in die Vorbereitungsklasse nach Rietberg gebracht. In Anbetracht der steigenden Türkenkinderzahlen könnte überlegt werden, eine weitere türkische Vorbereitungsklasse in Mastholte einzurichten und diese Klasse mit türkischen Kindern aus Rietberg teilweise aufzufüllen.
  • Bei den parteipolitischen Auseinandersetzungen um die Verlagerung der beiden Rietberger Grundschulen an einen neuen Schulstandort im Baugebiet „Daßhorst“ war auch die von Ihnen berechtigterweise abgelehnte Überlegung aufgetaucht, die Gemeinschaftsgrundschule Rietberg aufzulösen, um dann in der Stadt Rietberg als Angebotsschule nur die katholische Bekenntnisgrundschule zu haben. In diesem Falle hätte im Ortsteil Rietberg die Möglichkeit bestanden, 2 Schulbezirke zu bilden. Der Standort einer Grundschule am Südtor wäre in diesem Falle möglich gewesen. Ich gebe zu, dass diese Überlegung lediglich standortbedingt vernünftig gewesen wäre.
  • Als weitere Alternative wäre aus meiner Sicht die Errichtung einer Evangelischen Bekenntnisgrundschule erwägenswert. Hierbei muss jedoch berücksichtigt werden, dass in der gesamten Stadt Rietberg 2.564 evangelische Christen wohnen (Stand: 03.06.1980). Ob die Kinderzahlen die Errichtung einer Evangelischen Bekenntnisgrundschule rechtfertigen, erscheint mir zweifelhaft.
  • Außerdem wäre es überlegenswert, eine Moslemische Bekenntnisgrundschule zu errichten. Jedoch dürften auch hier die notwendigen Kinderzahlen für die Neuerrichtung einer solchen Schule nicht vorliegen.
  • Vor kurzem las ich in einer Fachzeitschrift, dass die Stadt Krefeld einen Modellversuch über die Integration ausländischer Kinder an den Grundschulen in Krefeld unternommen hatten. Die in diesem Zusammenhang erstellte Broschüre habe ich vor 2 Tagen von der Stadt Krefeld erhalten. Ich werde sie in den nächsten Wochen während meines Urlaubs durchlesen. Sollten sich hieraus weitere Erkenntnisse ergeben, so bin ich gerne bereit, diese ebenfalls in meine Überlegungen und Vorschläge an den Rat der Stadt Rietberg mit einzubeziehen.

Dankbar wäre ich Ihnen, wenn Sie mir gelegentlich einmal auch die Meinung des Kultusministers zu dieser Frage mitteilen würden. Zu einem persönlichen Gespräch in dieser Angelegenheit bin ich jederzeit gerne bereit. Ich bitte Sie, die Mitunterzeichner Ihres Schreibens an den Kultusminister über dieses Schreiben zu unterrichten.

Mit freundlichen Grüßen
Kloock

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